17. Januar 2024

Im Januar 1970 erster Auftritt einer Ottenauer Gesangsgruppe in Gaggenau

Bei den Fremdensitzungen der Großen Karnevalsgesellschaft Gaggenau (GroKaGe) standen 1970 unsere Saubergspatzen erstmals in der Jahnhalle auf der Bühne. Seitdem sind sie ein fester Bestandteil des Programms. Aber seinerzeit war es etwas Besonderes, denn mehr als drei Jahrzehnte nach der Zwangseingemeindung von Ottenau zu Gaggenau gab es immer noch einige Ressentiments.

Doch beinahe wären es noch ein paar Jahre mehr geworden, denn bereits 1964 fragte anlässlich der 100-Jahr-Feier unserer Sängervereinigung der damalige Präsident der GroKaGe, Wilhelm Ball, unseren damaligen Vorsitzenden, Medad Haitz, ob unser stimmgewaltiges Doppelquartett bei den Fremdensitzungen in der Jahnhalle auftreten könnte. Anfragen bei den beiden Gaggenauer Gesangvereinen waren negativ beschieden worden. Eine Verpflichtung scheiterte jedoch zunächst am fehlenden Texter. Aber sechs Jahre später wurde mit dem brillanten Büttenredner Werner Stapelmann auch ein Texter gefunden. Reinhold Haitz, der das Doppelquartett betreute, beriet dann mit Werner Stapelmann auf mehreren gemeinsamen Fahrten zum Arbeitsplatz im damaligen Daimler-Benz-Werk Wörth die Modalitäten eines möglichen Auftritts.

In der GroKaGe war Rudi Kühn durch eigene Programmbeiträge seiner Spielgruppe längst bekannt. Auch wurde das von ihm komponierte Lied „Gel mir hän e scheene Stadt“ – ursprünglich vom ihm für den Karlsruher Fasching geschrieben – bereits einige Jahre bei den Sitzungen in Gaggenau gesungen. Und das gerne auch heute noch zum Abschluss der Fremdensitzungen.

In den Badischen Neuesten Nachrichten konnte man am 26. Januar 1970 lesen: „Vorbei ist die Zeit der Gaggenauer Narretei, in der man sich anderswo Hofsänger ausleihen musste. Die Ottenauer Sängerknaben waren eine der überraschenden Novitäten der Fremdensitzung. Musikalisch und textlich hervorragend betreut, schwungvoll und präzise, begeisternd, mit der richtigen Leichtigkeit, trug dieser Chor seine närrischen Weisen vor. Werner Stapelmann hatte die Texte geschrieben, Chormeister Rudi Kühn hat die Sätze einstudiert. Das Ergebnis am Samstagabend: Zwei Auftritte, zwei Darbietungen, die nichts an fastnachtlicher Spitzenqualität vermissen ließen.“ Und nach einer ausführlichen Programmbeschreibung kam der Chronist zu dem Schluss: „Man kennt das fastnachtliche Mittun des Ottenauer Schützenvereins aus den vergangenen Jahren; mit den Sängerknaben aber hat der Stadtteil im Südosten doch den großen erfolgreichen Einstand in die gemeinsame Narretei gegeben. Dafür ein rückhaltloses Bravo!“

Für unsere Ottenauer Sängerknaben schlug bald darauf der damalige Elferrat und spätere Präsident Ewald Dreiner den Namen Saubergspatzen vor. 25 Jahre lang komponierte Rudi Kühn jedes Jahr einen Faschingsschlager. Die Texte schrieben in der Folgezeit Herbert Broeren und Michael Wessel. Heute ist diese Aufgabe  auf noch mehr Schultern verteilt.

Seit 1979 singen unsere Saubergspatzen auch beim Ottenauer Carnevalclub. Hinzu kommen Auftritte in der Närrischen Ratssitzung und bei befreundeten Faschingsgesellschaften. Und natürlich sind die Spatzen mit eigenem Wagen beim Ottenauer Faschingsumzug mit dabei. Dieser wurde von der Werbeagentur exakt attrakiv gestaltet.

Spatzen in unterschiedlichen Kostümen

Beim ersten Auftritt behalfen sich unsere Saubergspatzen noch mit Kostümen aus dem Fundus der GroKaGe. Interessant war das originelle Häs der Gaggo-Holzmaskengruppe, das mit Anspielung an die Dambach-Werke Verkehrsschilder zeigt.

Mehrere eigene Kostüme hatten die Spatzen in den zurückliegenden Jahrzehnten. Das viele Jahre lang typische grüne Kostüm war ursprünglich weiß und wurde dann grün eingefärbt. In diesen grünen Kutte fühlen sich die Spatzen offensichtlich besonders wohl. Daher haben sie es 2023 mit neuem Hut auch als Bühnenkostüm wieder aufleben lassen.

Aber nicht nur in der fünften Jahreszeit treten die Saubergspatzen auf. In den letzten Jahren haben sie unter der Leitung ihres Dirigenten Bernhard Stephan eigene Konzerte mit  moderner anspruchsvoller Chorliteratur und natürlich auch ihren beliebten Stimmungsliedern gegeben. Häufig waren sie geschätzte Programmpunkte der Konzerte des Ensemble `96 Durmersheim.

Bei den OCC-Sitzungen vom 12. bis 14. Januar wurde wieder deutlich: Wo die Spatzen auftreten, wird STIMMUNG groß geschrieben. Die Besucher der GroKaGe-Sitzungen am kommenden Wochenende werden ebenfalls ein Feuerwerk an Stimmungsliedern erleben.

Wie kann heute noch ein Männerchor erfolgreich sein?

Basis des Erfolgs unserer Saubergspatzen sind sicher die unzähligen Proben von Mitte November bis zu den Auftritten. Hinzu kommen die pfiffigen Texte, eingängigen Melodien und schauspielerischen Einlagen. Und welche Gesangsgruppe kann gleich mehrere Begleitinstrumente bis hin zur Geige einbringen?

Die Leitung der Gruppe hatte in den ersten 13 Jahren Reinhold Haitz. Von 1982 bis 2008 leiteten dann Walter Merkel und nach ihm Andreas Kawa die erfolgreiche Gesangsgruppe. Seit 2019 ist Kurt Mechler ihr Boss.

Mit 22 Aktiven hat die Gruppe zwar ihre Auftrittsstärke erreicht, freut sind aber – ebenso wie unser Männerchor – über weitere Sänger. Der Altersdurchschnitt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Die Saubergspatzen beweisen damit, dass auch heute noch Männer im mittleren Alter für das Singen in einem  Männerchor begeistert werden können, wenn die Chorliteratur stimmt.

Ehren-Saubergspatz Michael Wessel

Erstveröffentlichung im Badischen Tagblatt vom 17. Januar 2024

Mit mehreren Kostümen standen unser Saubergspatzen in den letzten fünf Jahrzehnten auf der Bühne.  Beim ersten Auftritt behalft man sich noch mit Kitteln der Gaggo-Holzmaskengruppe mit Verkehrszeichen sowie mit weiteren aus Kitteln aus dem Fundus der GroKaGe.     Foto: Michael

 

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